Geliebt, gehasst, gefürchtet: Das ist Tennis-Champion Novak Djokovic

Dass Novak Djokovic zu den besten Tennisspielern aller Zeiten gehört, steht außer Frage: Der Final-Triumph über Stefanos Tsitsipas in Paris war sein 19. Sieg bei einem der vier großen Grand-Slam-Turniere - einer fehlt ihm noch auf Roger Federers Rekord - und seine nunmehr 324 Wochen an der Spitze der Weltrangliste sind bereits eine ewige Bestmarke.

Anders als seine beiden großen Kontrahenten Federer (der Gentleman) und Rafael Nadal (der Kämpfer) - die sich auch persönlich sehr gut verstehen - fällt Djokovic aber auch immer wieder mit Kontroversen auf.

Wasser predigen, Wein trinken?

So kritisierte er vor zwei Wochen Damen-Star Naomi Osaka heftig, als diese ankündigte, keine Interviews während der French Open zu geben, weil sie unter Depressionen und einer Sozialen Angststörung leidet. "Interviews sind Teil des Jobs", sagte Djokovic - der vor einem halben Jahr wortlos an allen Reportern vorbei gelaufen war, als er bei den US Open disqualifiziert wurde.

Novaks Corona-Party

Während sich die Menschen letztes Jahr überall sonst an strenge Lockdowns gehalten haben, lud Djokovic zu Show-Turnieren in seiner Heimat Serbien - praktisch ohne Restriktionen. Volle Tribünen und wilde Partys machten daraus einen Superspreader-Event. Zahlreiche Spieler fingen sich Corona ein, darunter Djokovic selbst.

Viele Konkurrenten waren sauer, weil der Serbe damit die Versuche, im Sommer 2020 wieder einen regulären Turnierbetrieb starten zu können, torpedierte. Quasi zeitgleich versuchte Djokovic, eine neue Spielergewerkschaft zu gründen. Im Zuge seiner unverantwortlichen Turnierserie nahm der Plan aber nie Fahrt auf und sorgte nur für Zwietracht unter Befürwortern und Gegnern.

Soziales Engagement

Von seinen Fans wird Djokovic vergöttert. Das liegt nicht nur an seinen Erfolgen, sondern auch an seinem Engagement: Seine Stiftung baut Schulen in seiner Heimat Serbien, stellte Geld für Hochwasser-Opfer auf und spendete zahlreiche Beatmungsgeräte für Corona-Kliniken.

Mit der Tennis-Akademie in Belgrad, die er gegründet hat und die seinen Namen trägt, bildet er die nächste Generation an serbischen Tennis-Stars aus. Die Rivalität zwischen den Ländern am Balkan ist ihm auch relativ egal: Sein Trainer ist Kroate, er drückt auch öffentlich dem kroatischen Fußball-Team die Daumen und über die Sprachunterschiede zwischen den Ländern auf dem Balkan sagt er nur: "Ist doch im Grunde eh alles eigentlich das Gleiche..."

Gefürchtet auf dem Platz

Bei seinen Gegnern auf dem Tennisplatz ist der "Djoker", wie er genannt wird, gefürchtet - weil er sich aus so gut wie jeder brenzligen Situation befreien kann. Bei den French Open war er zweimal, darunter im Finale, im 0:2-Satzrückstand, um doch noch 3:2 zu gewinnen.

Auch das zeichnet einen großen Champion aus.

Autor: Philipp Eitzinger, 14.06.2021