Pride Month: Bücher unter der Regenbogenflagge

Auch in Büchern finden wir immer mehr Vertreter der LGBTIQ+ Community. Für manche taucht dabei immer noch die Frage auf: Was ist mit dieser Abkürzung genau gemeint? Zur Erinnerung: Im Englischen wird LGBT als zusammenfassender Überbegriff für "lesbian, gay, biseexual und transgender" verwendet. Die zusätzlichen Buchstaben am Ende des Wortes stehen abrundend noch für "questioning" bzw. "intersexual".

In der Literatur kann man bereits von einem eigenen Genre sprechen, in der sich die ganze Vielfalt sexueller Orientierungen spiegelt. Erfreulich ist, dass gerade in der romantischen Literatur im englischsprachigen Raum LGBT-Geschichten bald schon ebenso häufig zu finden sind wie zu heterosexuellen Paaren. Deutsche Übersetzungen lassen noch auf sich warten. Ein paar Titel jedoch liegen bereits in deutscher Sprache vor. Hier eine Auswahl der derzeit besten Romane.

1. "Royal Blue" von Casey McQuiston

... ist das Buch schlechthin, wenn man sich für diese Themenwelt öffnen möchte. Die Autorin wirft nämlich eine Frage von großer Tragweite in den Raum: Was wäre, wenn Liebe die Welt verändern könnte? Zum Beispiel, indem sich der Kronprinz von England und der Sohn der Präsidentin der Vereinigten Staaten ineinander verlieben würden? Mit viel Humor geht die Autorin diesem Gedankenspiel auf den Grund, spart aber auch nicht mit kritischen Überlegungen, die den Leser zum Nachdenken anregen. Ein Buch, das all jenen zu empfehlen ist, die noch keine persönlichen Erfahrungen mit der LGBTIQ+ Community gemacht, aber viele Fragen haben.

2. "Rowan & Ash" von Christian Handel

... ist ein Titel, der von einem deutschsprachigen Schriftsteller verfasst wurde, dazu noch von einem sehr talentierten! Christian Handel hat einen Schreibstil, der einen jede Geschichte lieben lässt, selbst dann, wenn einen das Genre eigentlich nicht anspricht. Auf seinen Social Media-Kanälen thematisiert er Anliegen und Themen der Community, deren Vertreter er auch selbst ist. Der Held seines Romans, Rowan O'Brian, ist seit seinem dritten Lebensjahr verlobt, eine Verbindung, von der sich seine Familie mehr Macht erhofft. Doch vor dem großen Tag machen Gerüchte die Runde, er hätte sich in die Magie-Schülerin Raven verliebt. Die Wirklichkeit ist jedoch viel komplizierter. Denn eigentlich liebt Rowan den Königssohn Ash.

3. "Was ist mit uns?" von Becky Albertelli und Adam Silvera

Viele kennen und lieben den Film „Love, Simon“, wissen aber gar nicht, dass er auf einem Roman basiert. Nicht das einzige Buch übrigens, das die Autorin zu diesem Thema geschrieben hat. In „Was ist mit uns?“ erzählt sie gemeinsam mit Adam Silvera die Geschichte von Ben und Arthur. Die beiden Männer treffen sich zum ersten Mal in einer Postfiliale. Ob dies wirklich ein Zufall oder ein Wink des Schicksals ist, lässt sich nicht sagen. Der Leser wird Zeuge ihrer Annäherung bis hin zu ihrer Beziehung, und während sich die beiden ineinander verlieben, verliebt sich der Leser in das Buch.

LGBT spiegelt sich vielfältig in Literatur und Film | iStock.com/Kira-yan

4. "Der letzte Halt" von Casey McQuisten

... wer gerne ein Buch der Autorin lesen möchte, es aber weniger politisch als in „Royal Blue“ möchte, kann sich an ihre Neuerscheinung wagen. Passend zum Pride Month wurde das Buch im deutschen Sprachraum am 1. Juni veröffentlicht. August, die auf eigene Faust nach New York zieht und fest davon überzeugt ist, dass es Dinge wie Magie und Liebe nicht gibt, ist entschlossen, alleine durchs Leben zu gehen. Doch dann trifft sie bei einer Zugfahrt auf Jane. Der tägliche Augenkontakt wird zum Highlight des Tages. Doch um Janes Geheimnisse zu ergründen, muss sie all ihre Überzeugungen über Bord werfen und der Liebe eine Chance geben. Mit diesem Titel übertrifft die Autorin ihr Debüt und fesselt den Leser innerhalb der ersten 25 Seiten so, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte.

5. "I Wish You All The Best" von Mason Deaver

... ist wohl einer der außergewöhnlichsten Titel dieser Liste. Zum tieferen Verständnis des Buches ist es hilfreich, wenn man sich mit dem Thema bereits auseinandergesetzt hat. Leider gibt es von dem Roman noch keine deutsche Übersetzung. Da er aber so außerordentlich gut ist, darf er hier einfach nicht fehlen! Ben outet sich gegenüber seinen Eltern als nonbinär - ist also weder Mann noch Frau. Ein Detail, das das Buch besonders spannend macht. Nicht nur, weil man in Bens Gedankenwelt eintaucht, sondern auch, weil die Pronomen "they/them" stets für eine einzelne Person benutzt werden, und man sich daran erst einmal gewöhnen muss. Nach der Offenbarung wird Ben von den Eltern hinausgeworfen und zieht zu ihrer/seiner Schwester. Dabei kommt Nathan ins Spiel, und Bens gesamte Welt steht Kopf. Denn mit Nathan scheint plötzlich alles so einfach, sodass sie/er gar nicht bemerkt, was sich zwischen ihnen entwickelt.

Am Beispiel dieser Bücher sieht man, wie einfach es sein könnte, „anders“ zu sein, und es stellt sich die Frage, ob es vor diesem Hintergrund ein Coming Out überhaupt noch braucht. Man fragt sich unwillkürlich: Sollte es nicht egal und damit normal sein, dass nicht jeder Mann eine Frau liebt und nicht jede Frau einen Mann? Sollten Menschen nicht ebenso ganz selbstverständlich Teil der gesellschaftlichen Normalität sein, auch wenn sie nicht heterosexuell sind? Sind es nicht gerade sie, die uns zeigen, wie bunt das Leben sein kann? In diesem Sinne: Lesen Sie sich durch den literarischen Regenbogen!

Zur Autorin

Cara Krist liest leidenschaftlich gerne und hat für Leseratten den einen oder anderen vielversprechenden (Geheim) Tipp auf Lager! Auf www.weekend.at stellt sie uns ihre Empfehlungen vor.

Autor: Cara Krist, 18.06.2021