Die Kraft der Kälte: Warum Sie öfter ein Eisbad nehmen sollten

Denken Sie nur daran, wie gut es sich anfühlt, wenn man aus dem Eisbecken in der Sauna steigt – wie neugeboren! Warum der Kältereiz so gut für uns ist – und wie Sie ihn öfter in den Alltag integrieren können.

Machen Sie es wie Wim Hof

In den letzten Jahren hat die „Wim-Hof-Methode“ vermehrt mediale Aufmerksamkeit erhalten. Dabei handelt es sich um Techniken eines niederländischen Extremsportlers, der die gesundheitlichen Vorteile des Eisbadens auf beeindruckende Weise demonstriert. So lief Wim Hof beispielsweise barfuß einen Marathon nördlich des Polarkreises und hielt sich vor laufender Kamera stundenlang in Eisfässern auf. Seine Methode besteht aus Atemübungen, Kälteexposition und der Entwicklung mentaler Stärke und Konzentration. Auch wenn Sie weit davon entfernt sind, kilometerweit in Unterwäsche durch den Schnee zu laufen, kann die Kälte Sie vieles lehren.

Darum ist Kälte gesund

Bloß nicht frieren, sonst kommt es zu einer Erkältung? Möglicherweise ist genau das Gegenteil der Fall: Die Kälte sorgt dafür, dass das Immunsystem stärker wird und wir dadurch weniger krank werden. Tatsächlich hat unser Körper in Jahrmillionen des Frierens, Hungerns und Aushaltens anderer gefährlicher Umweltreize raffinierte Lösungsstrategien entwickelt, die uns schützen. Je weniger wir jedoch im modernen Leben an unsere Grenzen stoßen und diese Strategien aktivieren, desto weniger haben wir auch Zugriff darauf. Wenn wir uns also immer in kuschelig-warme Kleidung hüllen und in überheizten Räumen leben, verlernt der Körper, mit Kälte umzugehen. Doch keine Sorge – wir können uns wieder daran gewöhnen und den Körper gewissermaßen abhärten. Wenn wir uns der Kälte aussetzen, werden im Körper die weißen Blutkörperchen mobilisiert. Diese sind in der Lage, eindringende Bakterien und Viren zu bekämpfen – in der Folge werden wir seltener krank.

Kälte fördert die Durchblutung

Außerdem fördert Kälte die Durchblutung des gesamten Körpers und verbessert die Wärmeregulation. Dies ist insbesondere hilfreich für Menschen, die ständig frieren – oder umgekehrt, für Frauen, bei denen es im Rahmen der Wechseljahre zu Hitzewallungen kommt. Hitzewallungen entstehen, weil sich durch die Hormonumstellung kleine Adern plötzlich weiten und die Durchblutung schlagartig erhöht wird. Kälte, beispielsweise durch Wechselduschen gefördert, kann hier entgegenwirken. Wird der Körper mit starker Kälte konfrontiert, ziehen sich die Blutgefäße sofort zusammen, um die inneren Organe zu schützen. Wird es uns wieder warm, entspannen sich die Blutgefäße. Dieser Mechanismus wirkt wie ein Training auf das gesamte Herz-Kreislauf-System, sodass dieses mit der Zeit lernt, sich immer besser auf äußere Einflüsse einzustellen. Auch auf die mentale Gesundheit hat Kälte eine positive Wirkung. Der Energieschub sorgt dafür, dass wir sofort im Hier und Jetzt ankommen. Später fühlen wir uns zufriedener, besser gelaunt und selbstbewusster.

Wie kann ich mich der Kälte aussetzen?

Zugegebenermaßen – eine Eiskammer haben wohl die wenigsten Menschen zuhause. Doch dafür haben wir etwas, was deutlich einfacher ist: eine Dusche. Indem Sie das Wasser auf eine niedrige Temperatur stellen und täglich kalt duschen, profitieren Sie bereits von vielen gesundheitlichen Vorteilen. Wenn Sie sich nicht sofort überwinden können, ist das kein Problem – fangen sie klein an. Duschen Sie zunächst wie gewohnt warm und stellen Sie ganz zum Schluss den Hebel auf kalt um. Zählen Sie langsam bis Zehn, bevor Sie das Wasser ausschalten. Sie werden merken: Allein diese wenigen Sekunden haben einen positiven Effekt und Sie fühlen sich großartig. Mit der Zeit werden Sie die Kältephasen verlängern können und vielleicht irgendwann ganz auf kaltes Wasser umsteigen. Fortgeschrittene sind in der Lage, sich auch anderweitig der Kälte auszusetzen, indem sie beispielsweise im Winter im See baden oder barfuß durch den Schnee gehen. Hören Sie jedoch jederzeit auf Ihren Körper und übertreiben Sie es nicht: Es braucht Zeit, um sich abzuhärten und der Kälte zu trotzen.

Autor: Weekend Online, 15.06.2021